Aller Anfang ist schwer

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Wenn man sich entschlossen hat Unternehmer zu werden, dann stehen viele Entscheidungen ins Haus. Ganz oben auf der Liste ist nicht selten das “Was”, gefolgt vom “Wie”.
Die traurige Realität zeigt, dass viele angehende Unternehmer noch gar nicht so genau wissen, was sie eigentlich machen möchten. Oft schwirren ihnen die irrwitzigsten Ideen im Kopf umher und an die Umsetzbarkeit oder Rechtsmäßigkeit wird erstmal kein Gedanke verschwendet.
Dann ist da noch die Unternehmensform, die dem einen oder anderen Kopfschmerzen bereitet. Es erfolgen unzählige Recherchen im Netz, um dann mit einem großen Fragezeichen im Kopf ins Bett zu gehen.

Die Flucht in die Selbstständigkeit

Irgendwann überkommt es die meisten Arbeitnehmer, die Flucht ins Unternehmertum, raus aus dem Hamsterrad, endlich viel Geld und Zeit. Das dies Illusionen sind, zumindest am Anfang, werden viele Unternehmer blind unterschreiben. Denn gerade zu Beginn ist das Geld oft knapp und die Zeit ein seltenes Gut. Es gibt soviel zu tun und der Berg wird immer größer, dann kommt noch diese eine Rechnung, mit der man nicht gerechnet hat und schon ist die Illusion kaputt.

Das Schlimmste ist, blind seinen Job zu kündigen und zu denken, dass man es als Unternehmer schnell zu etwas bringt und das süße Leben genießen kann. Exakt das habe ich vor zig Jahren getan und ich stand genau vor der Entscheidung “Was” und “Wie”. Es folgten zahllose Tage und Nächte des Grübelns, denn viele auf den ersten Blick vielversprechende Geschäftsideen, waren schlichtweg nicht realisierbar. Mal aus Budgetgründen, mal dem Gesetz geschuldet oder der innere Schweinehund machte sich breit.
Das Perfide dabei war, dass ich schon früh damit begonnen hatte andere bei ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen. Sie kamen von ganz allein zu mir und baten um Rat. Viele davon sind immer noch glückliche Unternehmer.
Was habe ich getan? Ich habe einen der ersten Onlineshops mit der Möglichkeit des Onlinebezahlens ins Netz gebracht. Damals war das Internet noch kein so großer Heuhaufen oder die Nadel war ungleich größer, wie man es drehen und wenden mag, es war einfach leichter als heute. Ich habe mich selbst um alles gekümmert, das Hosting, der Onlineshop, die Produkte und die Steuern. Ein Haufen Arbeit, aber es hat Spaß gemacht. Dann kam das Unerwartete, der Importeur fiel aus und so versiegte der Nachschub. Alle Anstrengungen dem entgegenzuwirken verliefen leider fruchtlos. Ich hatte den Kardinalfehler begangen und mich abhängig gemacht. Was folgte war mein dicker Kopf, der sagte, schmeiß alles hin, es hat ohnehin keinen Sinn. Doch so ganz konnte ich nie die Finger von der digitalen Geschäftswelt lassen und ich begann damit, neue Wege zu erschließen, schließlich macht das einen Unternehmer aus, denn Krisen kommen immer zur besten Zeit.
Nebenher half ich weiter anderen als Unternehmer Fuß zu fassen oder beriet sie, wie sie sich besser Vermarkten konnten. Natürlich komplett selbstlos und kostenfrei. Doch meine Zeit wurde somit von Tag zu Tag knapper. Um meine eigenen Geschäfte weiter wachsen zu lassen, wurde die Notbremse gezogen und ich nutze mein Wissen nur noch für mich. Okay einige Ausnahmen folgten noch.
Was auch folgte, waren diverse Projekte, denn mir wird schnell langweilig, wenn es einfach wird. Das wiederum bringt mich zum Fehler Nummer zwei unter den Topfehlern. Ich gab den Projekten nie ausreichend Zeit zum Wachsen. Das ließ sich zwar mit Marketing einigermaßen auffangen, doch es war nicht das, was es werden sollte. Ich musste mir eingestehen, dass die meisten Menschen mehr Zeit brauchen.

Was ich mit einem kurzen Auszug aus meinem ersten Unternehmerjahren verdeutlichen möchte, wenn du Unternehmer werden willst, dann stell dich schonmal auf diversen Gegenwind und Steine im Weg ein, denn die werden kommen, egal in welcher Form. Das Wichtigste dabei ist, sich davon nicht von seinem Weg abringen zu lassen, denn ich wusste für mich ganz sicher, dass ich ein fürchterlicher Angestellter bin, denn ich sehe und weiß zu viel. Dazu fühlte ich mich als Angestellter immer extrem unwohl und fehl am Platz. Wenn ich so zurückdenke, dann begann das bereits in der ersten Bildungseinrichtung, die ich besuchen musste.

Das “Was”

Wenn du noch nicht weißt, was du eigentlich genau machen möchtest und dir sicher bist, dass du genug Durchhaltevermögen als Unternehmer mitbringst, dann nimm dir ganz altmodisch einen Zettel und einen Stift.
Jetzt zeichnest du einfach drei ausreichend große Kreise, die sich in der Mitte überschneiden und in den ersten trägst du deine Interessen ein. In den zweiten Kreis kommen die Dinge, von denen du denkst, dass du sie wirklich gut machst. Der dritte Kreis ist für die Meinungen von Dritten gedacht, was sagen die, was kannst du wirklich gut? Nun kommt die Auswertung, was ist die Schnittmenge aus diesen ganzen Informationen? Wenn du ehrlich warst und dich deine Freunde oder Familie nicht betuppt haben, hast du einen ersten Anhaltspunkt, in welche Richtung es gehen könnte. So einfach kann eine Entscheidungsfindung sein. Mach es nun noch wie ich, lehne genau das aus der Mitte ab und versuche dich mit dem Gegenteil. Ich kann dir sagen das es eine Erfahrung wert ist, denn danach weißt du ganz grob wo du hin gehörst. Bei mir war das immer die Marketing- und Brandingschiene für andere, wobei ich mich nicht selten vergessen habe. Ja, Selbstlosigkeit hat ihre Schattenseiten.

Das “Wie”

Nachdem du weißt in welche Richtung es geht, kümmere dich noch nicht um das detaillierte “Was”. Das kostet nur Zeit und Energie. Das “Wie” ist ohnehin der interessantere Teil.
Denn der Teil splittet sich in viele kleine Teile auf. Da sind die Unternehmensformen, die Räumlichkeiten, die steuerlichen Aspekte, die Vertriebsform, das Marketing, die Ziele und viele weitere mehr. Das ist ein schöner Schritt, um mehr Klarheit in deine Selbstständigkeit zu bringen.

Die meisten Unternehmer entscheiden sich als Einzelunternehmer die ersten Jahre ihrer Selbstständigkeit zu bestreiten. Das hat sein Vorzüge, doch wo Licht ist, ist auch Schatten, denn die Haftung erstreckt sich auf dein komplettes Vermögen. Eine UG klingst auch toll oder gleich eine GmbH? Jede Form hat ihre Vorzüge und Nachteile. Nach Rücksprache mit einem versierten Anwalt kann ich dir nur sagen, wer an dein Vermögen will, der bekommt es ohnehin. Nur fürs Protokoll.
Nun geht es an die Adresse. Von zu Hause aus arbeiten oder lieber ins Büro? Manchmal stellt sich die Frage gar nicht, denn einen Laden im Wohnzimmer zu eröffnen klingt schon skurril genug. Die meisten Onlineunternehmer hingegen starten aus den eigenen vier Wänden, um die Kosten gering zu halten. Vielleicht hast du sogar ein Arbeitszimmer übrig. Alternativ gibt es die netten virtuellen Büros, unter denen du firmieren kannst. Doch Vorsicht, nicht jedes virtuelle Büro kann als Geschäftssitz genutzt werden. Das Stichwort ist hierbei die ladungsfähige Adresse.
Nun bekommt noch das Finanzamt seinen Platz. Als Kleinunternehmer zu starten hat sicherlich seine Vorteile und eine Umsatzsteuer ID gibt optional dazu. Wenn du nur Inlandsgeschäfte machst, dann brauchst du diese eigentlich nicht. Doch wenn wir ehrlich sind, auf dem Papier macht sich ein “normales” Gewerbe mit einer Umsatzsteuer ID schon deutlich besser. Dann stellt sich noch die Gretchenfrage, wie dein Produkt zum Kunden kommt. Wickelst du alles online ab, brauchst du den direkten Kontakt oder mischst du es einfach? Es hat alles seine Vorzüge und in einigen Branchen stellt sich die Frage ohnehin nicht. Jetzt kommt noch das Bekanntwerden, denn es reicht längst nicht mehr, sich einfach nur zu präsentieren. Die Auffindbarkeit ist ein großes Thema und das richtige Abholen der potentiellen Kunden ein weiteres.
Alles in allem musst du wissen wo du hin willst und alle Weichen von Beginn an möglichst richtig stellen.
Fast vergessen habe ich die lieben Freiberufler, die gibt es natürlich auch und somit habe ich sie doch noch erwähnt. Der Unterschied zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden ist auf der einen Seite festgeschrieben und dennoch Ermessenssache des Finanzamts, dass hier einen großen Spielraum hat. Also immer recht freundlich mit dem Beamten deines Vertrauens.

Fazit

Der Beitrag soll dich nur davon abhalten, dich leichtfertig in die Selbstständigkeit zu stürzen. Er soll dich keinesfalls von einem Weg als Unternehmer abschrecken, denn es macht Spaß Unternehmer zu sein, mit allen Höhen und Tiefen. Im Leben muss es darum gehen, glücklich zu sein und nicht auf Teufel komm raus das zu tun, was andere von einem erwarten.

In den folgenden Beiträgen werde ich an der einen oder anderen Stelle weiter aus dem Nähkästchen plaudern, das ein oder andere Thema vertiefen und dabei hoffen, dass dir das alles auf deinem Weg weiter hilft.

Bis dahin bleib gesund und neugierig.